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Die Kunst ein Egoist zu sein PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Administrator   
Freitag, 6. Juli 2007
[...] Wir können feststellen: Unser gesamtes Leben und alle unsere Handlungen, jedes Bemühen, ein gestecktes Ziel zu erreichen, unterliegt einem natürlichen Rhythmus. Wenn wir versuchen, einzelne, notwendige Phasen der Entwicklung zu überspringen oder, dagegen anzukämpfen, ist die Harmonie des Ablaufs gestört.

Im täglichen Leben bezieht sich dies vor allem auf:
- Die Erziehung unserer Kinder.
- Das langfristige Zusammenleben mit anderen.
- Die Gestaltung unseres Lebensbereichs.
- Das Se*ualleben.

In diesen Bereichen, die durch weitere ergänzt werden können, unterliegen wir der ständigen Versuchung, voll Hast und Ungeduld ans Ziel zu kommen. Ohne Rücksicht auf die harmonische Dramaturgie, der solche Abläufe unterliegen.

Natürlich können Sie in der nächsten Bank einen Kredit aufnehmen, einen Architekten und einen Baumeister engagieren und ihnen sagen: » Bis zu diesem oder jenem Termin möchte ich von Ihnen schlüsselfertig und eingerichtet mein Haus übernehmen.«

Man wird Ihnen dieses Haus bauen und einrichten. Es mag durchaus Ihren Vorstellungen entsprechen. Oder wenigstens den Vorstellungen jener Leute, denen Sie damit imponieren wollen.

Die Frage allerdings ist: Ist das wirklich Ihr Haus? Es wird, sobald Sie alle Schulden abbezahlt haben, Ihr Geld sein, mit dem Sie es erworben haben. Aber kann diese Gewißheit alles das ersetzen, was Ihnen entgangen ist, nur weil Sie sich der Mühe, Ihren Lebensbereich engagiert mitzugestalten, entziehen wollten?

Die Beziehung zu den Details, die Entfaltung Ihrer Phantasie, die Anteilnahme Ihrer Gefühle. Alles das, was nach einem spannungsgeladenen Verlauf zur befriedigenden Entspannung führt. Wenn sie schließlich sagen können: »In diesem Haus ist alles so, wie es meiner eigenen Vorstellung entspricht.« Nicht jener irgendwelcher Vorbilder oder der eines Innenarchitekten.

Ohne diesen Ablauf, in dem Verflechtungen und Verzögerungen, Auseinandersetzungen, Höhepunkte und Krisen jene Spannung bewirken, die als natürlichen Gegenpol die befriedigende Entspannung erst möglich macht, fehlt ein entscheidendes Element.

Den meisten Menschen ist der Sinn für die Notwendigkeit dieser Dramaturgie verlorengegangen. Sie gehen Spannungen aus dem Wege. Damit verkümmern immer mehr ihre Fähigkeit, aus diesen Spannungen Freude und Befriedigung zu schöpfen. Kein Wunder, daß ihr Leben eintönig und unbefriedigend verläuft. Wie, um einen anderen Lebensbereich anzuführen, das se*uelle Beisammensein mit einem Partner, das als gewohnheitsmäßige Pflichtübung zur schnellen Befriedigung eines körperlichen Bedürfnisses absolviert wird.

Wie in anderen Bereichen neigen wir auch hier dazu, die Harmonisierung des körperlichen Vorgangs mit Gefühlen und geistigen Vorstellungen zu vernachlässigen.

Wir erwarten ein Höchstmaß an se*ueller Befriedigung, aber mit dem geringsten Einsatz an Gefühlen, an Phantasie und ohne Eingehen auf jene Dramaturgie der Eroberung, die erst zur wirklichen Befriedigung führt. Es bedarf keiner tiefgründigen se*ualforschung, um zu der Erkenntnis zu gelangen: Se*uelles Glück ist keine Frage von Technik oder Potenz, sondern der Fähigkeit, seine Gefühle und seine Phantasie sich jedes Mal neu entfalten zu lassen.

 

Aus "Die Kunst ein Egoist zu sein -
Das Abenteuer, glücklich zu leben,
auch wenn es anderen nicht gefällt"

von Josef Kirschner (ISBN 3-426-07549-0)

 

 

 
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